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Bündnis 90/Die Grünen

Kreisverband Neu-Ulm

Neujahrsempfang 2017

Neujahrsempfang 2017

Von Terror, Wohnungsnot und Shopping-Frust

Fraktion der Grünen will verkaufsoffene Sonntage auf den Prüfstand stellen


Von Andreas Brücken, NUZ 25.01.2017 Für die Bundestagsabgeordnete der Grünen, Ekin Deligöz, war der Neujahrsempfang fast ein Heimspiel. Denn das Café d’Art, in das die Stadtratsfraktion eingeladen hatte, war einst die Stammkneipe der Politikerin. Dort war die Gästeliste am Montagabend überraschend vielfältig: So fanden sich im Café d’Art zum Feierabendbier nicht nur die eigenen Mitglieder ein, sondern auch die Angehörigen weiterer Parteien aus dem Rathaus. Unter ihnen auch Oberbürgermeister Gerold Noerenberg (CSU).

Und da schon mal viele Ratskollegen da waren, sprach der Neu-Ulmer Fraktionsvorsitzende Rainer Juchheim ein gemeinsames Ansinnen an: die verkaufsoffenen Sonntage. Denn er – und auch andere am Ratstisch – hätten wenig Verständnis, wenn bei anlassgeprägten Veranstaltungen, wie etwa dem Töpfermarkt, mehr Menschen am Sonntag in den Läden zum Shoppen gingen, als auf die Märkte. „Hier sind wir mit den Kirchen und der CSU der gleichen Meinung.“ Genauere Untersuchungen sollen ein detailliertes Bild über das Kaufverhalten der Besucher an Sonntagen geben, kündigte Jucheim an. Glücklich war der Vorsitzende über die „Kompromisslösung zum Radweg unter der Gänstorbrücke“. Dieser werde noch in diesem Jahr gebaut, sagte Juchheim. Lobende Worte fand Juchheim auch für die Neu-Ulmer Wohnungsbaugesellschaft, deren Anstrengungen gegen die Wohnraumknappheit anerkennenswert seien. Bei der Vergabe von Aufträgen sollte auch das jeweils beste ökologische Konzept mit berücksichtigt werden.

Als weiteres Mittel gegen die Wohnraumknappheit schlug Juchheim vor, den Kontakt mit den Besitzern von Immobilien zu suchen, um mögliche Leerstände bei Wohnungen oder Häusern zu erfassen.

Für ein bisschen Großstadtflair sorgte Ekin Deligöz beim Neujahrsempfang der Grünen. Mag sein, dass sich die Bundestagsabgeordnete im Lokal an der Augsburger Straße noch an unbeschwertere Zeiten erinnerte. Doch an diesem Abend sprach sie von „entsetzlichen“ und meinte damit den Terroranschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt: „Dieses Attentat hat uns als Bürgerrechtspartei vor neue Herausforderungen gestellt.“ Doch gerade die Grünen sollten sich jetzt nicht zu radikalen Schritten hinreißen lassen, sagte sie. „Unsere Antwort auf Hass und Terror wird Menschlichkeit lauten.“ Statt über Überwachungskameras müssten Diskussionen über das Waffenrecht geführt werden. Dabei gelte es, Werte gegenüber den Hassnachrichten, die über das Internet kommen, zu verteidigen. „Menschen, die ihr Gesicht für die Grundrechte zeigen, wird meine Partei immer zur Seite stehen.“

Mit Blick auf das Wahljahr sagte Deligöz: „Wir müssen in der Praxis immer wieder beweisen, dass Ökologie kein Luxus, sondern die Grundlage für eine lebenswerte Zukunft ist.“ Dabei ginge es nicht nur um Beton oder Straßen, sondern um die Menschen, sagte Deligöz: „Hinter einer Milliarde Euro Investitionen in ökologische Bauprojekte stehen 10000 Arbeitsplätze.“ Die Mittel aus dem Haushaltsüberschuss sollten mit Ausgaben in Infrastruktur und Bildung wieder an die Menschen zurückgegeben werden.

Juchheim ist sich alles in allem sicher, dass „wir positiv ins neue Jahr blicken können“. Einen Kommentar zu den Entwicklungen in den USA konnte er sich dann doch nicht verkneifen: „Hoffentlich macht uns ein ,Trumpeltier’ keinen Strich durch die Rechnung.“

Mobilität der Zukunft - Professor Ertel in Neu-Ulm

Prof. Dr. Wolfgang Ertel                 Text und Foto: Klaus Rederer

Das selbstfahrende Auto wird die deutsche Automobilindustrie, als die wir sie bislang kennen regelrecht vernichten. Vor fünf Jahren ist der künstlichen Intelligenz der Quantensprung in der Objekterkennung gelungen.

Diese Revolution im maschinellen Lernen eröffnet der Digitalisierung Möglichkeiten, die vor kurzer Zeit noch undenkbar erschienen. Wolfgang Ertel ist Professor für Künstliche Intelligenz an der Hochschule Ravensburg/Weingarten und gehört zu den führenden deutschen Wissenschaftlern in dieser Disziplin.
 

 

 

Rainer Juchheim eröffnet die Veranstaltung    Foto: Klaus Rederer

An seinem Institut werden seit 20 Jahren Maschinen mit künstlicher Intelligenz erforscht und entwickelt. Aktuell hat ein lernfähiger Pflegeroboter die praktische Einsatzreife erlangt, der schwerstbehinderten Menschen als Hilfe in vielen Lebenslagen unterstützen soll.
Das ganz große Thema unserer Tage wird jedoch die autonome Elektromobilität. 2016 hat UBER für sein selbstfahrendes Elektrotaxi in Pittsburgh in den USA die Straßenverkehrszulassung bekommen., die Firma SMRT in Singapur Diese Entwicklung, so Ertel, wird unsere gesamte Mobilität in fünf bis 10 Jahren revolutionieren. Diese Fahrzeuge werden erst den öffentlichen Nahverkehr im ländlichen Raum völlig neugestalten und dann in kurzer Zeit den gesamten Straßenverkehr. Die ersten autonom fahrenden Autos von Tesla und Googel sind schon mehrere Millionen Kilometer weitgehend unfallfrei gefahren und werden ständig besser. Private PKW, teure Parkhäuser und zugeparkte Innenstädte werden bald der Vergangenheit angehören. Ertel behauptet: „Alles was unser Leben bequemer macht, wird verkauft.“ US Amerikanische, Chinesische und Koreanische Technologie-Großkonzerne stehen in den Startlöchern und haben gigantische Mengen Investitionskapital angehäuft. Diese Entwicklung werde kommen, schnell und gewaltig.

Professor und Maschine         Foto: Klaus Rederer

Hierauf müsse die Gesellschaft umfassend reagieren. An dieser Stelle wagte der Informatik Professor den großen Wurf, skizierte den umfassenden Wandel, der Arbeits- und Lebenswelt, den die Digitalisierung und die neue Mobilität mit sich bringen wird. Seine Rezepte sind das bedingungslose Grundeinkommen, die Gemeinwohlökonomie und eine radikale Änderung des Steuersystems, das sich weg bewegen müsse von der Besteuerung der Arbeit, hin zu Steuern auf Kapitalerträge und Energieverbrauch.

Foto: Klaus Rederer

Die gemeinsame Veranstaltung von Bündnis90/Die Grünen Ulm und Neu-Ulm fand am 15. Mai im RIKU Hotel in Neu-Ulm statt und war mit ca. 50 Gästen gut besucht, die Diskussion schon während des Vortrags sehr rege.

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